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Pressemitteilung

07/06/2010

Asbestfaserbelastung in der Franziskus-Förderschule der Stadt Geldern


Kreisgesundheitsamt informiert Eltern, Lehrer und Schüler über mögliche gesundheitliche Risiken

Kreis Kleve – Die Stadt Geldern hat inzwischen das Kreisgesundheitsamt über die Untersuchungsergebnisse der raumluft-technischen Messungen der mit Asbestfasern belasteten Schulräume in der Franziskus-Förderschule informiert. Die umgehend durch das Kreisgesundheitsamt vorgenommene Bewertung des gesundheitlichen Risikos wurde heute der Stadt Geldern zur Information der Eltern, Lehrerinnen und Lehrern sowie der Schülerinnen und Schüler mitgeteilt.

Der Schulträger wurde darauf hingewiesen, dass vor Wiederaufnahme des Schulbetriebs der Sanierungserfolg durch entsprechende Raumluftmessungen zu belegen ist. Dazu ist die Raumluft in sämtlichen Klassenräumen der Franziskusschule auf die Konzentration der gesundheitlich relevanten Asbestfasern zu untersuchen. Über die Ergebnisse der Freimessungen wird die Stadt vereinbarungsgemäß das Kreisgesundheitsamt zur weiteren Beurteilung vor Wiederbezug des Schulgebäudes rechtzeitig informieren.

 

Infobrief des Kreisgesundheitsamtes

an die

Eltern, Lehrerinnen, Lehrer,

Schülerinnen und Schüler

der Franziskusschule

47608 Geldern

zur Asbestfaserbelastung in der Franziskus-Förderschule der Stadt Geldern

Sehr geehrte Eltern, Lehrerinnen und Lehrer,

liebe Schülerinnen und Schüler,

die Mitteilung über die Innenraumbelastung der Schulräume mit Asbestfasern hat bei Ihnen verständlicherweise zur Sorge und Beunruhigung geführt. Auf der Grundlage eines Ortstermins und der nunmehr vorliegenden Untersuchungsergebnisse der raumluft-technischen Messungen komme ich zu folgender Bewertung des gesundheitlichen Risikos:

Asbest ist eine Gruppenbezeichnung für silikathaltige Fasern, die natürlicher Bestandteil der Erdkruste sind. Als krankheitsverursachend gelten hohe Konzentrationen von Asbestfasern mit einer Faserlänge von über 5 Mikrometer, einem Durchmesser von unter 3 Mikrometer und einem Verhältnis von Länge zu Durchmesser von 3 zu 1. Asbestfasern wirken insbesondere bei Aufnahme über die Atemluft gesundheitsschädlich. Sie verbleiben im Lungengewebe, etwa ein Drittel der eingeatmeten Fasern werden über die Bronchien wieder abgebaut. Nach längerer, meist berufsbedingter Asbestbelastung mit Innenraumfaserkonzentrationen von 1.000.000 bis 100.000.000 Fasern pro Kubikmeter Raumluft sind verschiedene Erkrankungen bekannt geworden. Nach Einatmen traten Vernarbungen des Lungengewebes (Asbestose) und Lungen-, Brustfell- und Kehlkopfkrebserkrankungen auf. Diese Erkrankungen sind insbesondere bei in der Asbestindustrie tätigen Menschen bekannt geworden. Nachdem dieses Wissen vorlag, darf mit Asbest nur noch unter Sicherheitsmaßnahmen gearbeitet werden.

In der Franziskusschule sind bei Messungen in verschiedenen Räumen Asbestfaser-konzentrationen von 220 bis max. 63.320 Fasern pro Kubikmeter Raumluft gemessen worden. Der Mittelwert aller Raumluftmessungen lag bei ca. 25.000 Fasern/Kubikmeter Raumluft. Flur, WC und Turnhalle waren frei. Die Messungen zeigen eindeutig eine Überschreitung des Emissionssanierungswertes von 1.000 Fasern pro Kubikmeter Raumluft. Als Ursache für die Asbestfaserbelastung in der Raumluft wurde die Freisetzung von Asbestfasern aus der Beschichtung der Unterseiten der Innenfensterbänke in den Räumen identifiziert. Die Faserfreisetzung ist durch altersbedingte Materialveränderung aufgetreten. Seit wann sie vorliegt, ist nicht bekannt, die Belastung dürfte in den letzten Jahren aber eher niedriger gewesen sein. Die Räume werden diesbezüglich vollständig saniert.

Für Asbest kann, wie auch bei anderen Umweltschadstoffen, keine Wirkungsschwelle (d. h. ab welchem Wert eine Krankheit auftritt) angegeben werden und damit auch keine völlig unbedenkliche Dosis genannt werden. Es kann lediglich das Risiko abgeschätzt werden, das in Abhängigkeit von Höhe und Dauer der Asbestbelastung mit der Inhalation von Asbestfasern verbunden ist. Zudem sind weitere Kriterien (Rauchen etc.) für die Risikoabschätzung von Bedeutung. Es liegen zum Auftreten von asbestbedingten Erkrankungen nur Erfahrungswerte über beruflich Betroffene vor. Auf Grund der Höhe der in der Franziskusschule ermittelten Werte sowie der vermutlich vergleichsweise geringen Belastungsdauer, liegen die Messwerte um ein Vielfaches unterhalb der Konzentrationen, denen Arbeiter der Asbestindustrie ausgesetzt waren bzw. sind. Eine gesundheitliche Schädigung der Schüler und des Schulpersonals ist daher nach derzeitigem Kenntnisstand eher nicht zu erwarten. Es handelt sich hier auch um die weniger krankheitsauslösend wirkende Weißasbestart anstelle von Blauasbest. Wegen der langen Zeit zwischen Schadstoffaufnahme und Krankheitsausbruch wären Schäden zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber auch kaum erkennbar, denn der Zeitpunkt des Auftretens der Belastung ist nicht genau ermittelbar und Asbesterkrankungen treten meist erst Jahre bis Jahrzehnte nach der Aufnahme auf.

An möglichen medizinisch-technischen Vorsorgeuntersuchungen stehen das Röntgen oder die Bronchienspiegelung zur Verfügung. Beide Untersuchungen bergen jedoch auch Risiken, wie z. B. Strahlenbelastung oder Gewebeverletzungen. Sofern keine konkreten Beschwerden vorliegen oder ein besonderes gesundheitliches Risiko für Lungenerkrankungen bekannt ist, dürfen die Risiken dieser Untersuchungen nicht unberücksichtigt bleiben. Da asbestbedingte Erkrankungen, wie oben beschrieben, meist erst Jahre bis Jahrzehnte nach der Belastung auftreten, kann ich Ihnen die genannten technischen Untersuchungen nicht generell empfehlen. Das Erkrankungsrisiko der Betroffenen kann glücklicherweise eher als gering angesehen werden. Dennoch empfehle ich Ihnen aufmerksam auf Symptome jeglicher Form von Atembeschwerden oder Brustbeschwerden zu achten und diese dann kurzfristig beim Arzt abklären zu lassen. Einzig bei Personen mit neuen oder bekannten Lungenproblemen und ggf. bei langjährigen Rauchern, würde ich zum jetzigen Zeitpunkt eine aktuelle medizinische Untersuchung empfehlen.

Für weitere Fragen stehe ich gerne unter der Tel.-Nummer 02821-85311 zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

gez. Dr. Martina Scherbaum

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